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19.2.2018

Pressespiegel

Häusliches Arbeitszimmer nur absetzbar, wenn kein anderer Arbeitsplatz vorhanden

 

Kleinschmidt im Wochenspiegel vom 30.09.2015:

Telearbeitsplätze zuhause werden immer beliebter. Grundsätzlich sind auch die dafür entstehenden Kosten (z.B. anteilige Miete und Energiekosten) steuerlich zu berücksichtigen. Voraussetzung ist aber, dass für den Arbeitnehmer kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Das hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (FG) mit Urteil vom 11.08.2015 (3 K 1544/13) bekräftigt.

Ob damit dem wachsenden Trend zur häuslichen Telearbeit gerade auch angesichts des Fachkräftemangels in vielen Berufen gerecht wird, kann bei diesem Urteil sehr kritisch angemerkt werden.

Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers sind gegenwärtig nur dann voll abzugsfähig, wenn im Arbeitszimmer der Mittelpunkt der beruflichen und betrieblichen Tätigkeit liege. Sei dies nicht der Fall, könnten Kosten bis zu 1.250 € dann steuerlich berücksichtigt werden, wenn ansonsten kein beruflicher Arbeitsplatz zur Verfügung stehe. Gäbe es jedoch einen sonstigen Arbeitsplatz z.B. bei dem Arbeitgeber, seien Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer grundsätzlich nicht abzugsfähig.

In dem Klageverfahren hatte eine alleinerziehende Mutter mit ihrem Arbeitgeber eine Vereinbarung über Telearbeit, um weiterhin in Vollzeit arbeiten und ihren minderjährigen Sohn zu Hause betreuen zu können. Danach musste sie nur vormittags im Büro anwesend sein und konnte am Nachmittag zu Hause arbeiten.

Nach Feststellungen des FG hätte der Mutter jedoch nicht nur vormittags, sondern auch an den Nachmittagen ein anderer Arbeitsplatz in den Räumlichkeiten ihres Arbeitgebers zur Verfügung gestanden. Es wäre ihr zudem nicht untersagt, ihren dienstlichen Arbeitsplatz auch nachmittags weiterhin zu nutzen.

Der Einwand, sie arbeite zu Hause (auch) außerhalb der Dienstzeiten, hatte nach dem Urteil des FG keinen Erfolg. Es reiche nämlich aus, dass sie ihren Arbeitsplatz zu den üblichen Bürozeiten nutzen könne, wenn sie dies möchte.

Dass sie alleinerziehende Mutter sei und ihren dienstlichen Arbeitsplatz wegen der Kinderbetreuung nicht nutzen könne, sei steuerrechtlich grundsätzlich unbeachtlich. Dabei handelt es sich nämlich um private Gründe.

Das FG wies auch darauf hin, dass der Gesetzgeber speziell für Alleinerziehende eine Steuervergünstigung geschaffen (Entlastungsbetrag für Alleinerziehende nach § 24b EStG) habe. Diese Förderung, die auch die Mutter erhielte, sei ausreichend, so dass auch keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Abzugsbeschränkung für das häusliche Arbeitszimmer ersichtlich seien.

Nur dann wenn der Mutter also kein Arbeitsplatz bei dem Arbeitgeber zur Verfügung gestanden hätte, wäre sie vor dem FG erfolgreich gewesen und hätte die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer steuerlich geltend machen können. Hier bieten sich also in gleichgelagerten Fällen Gestaltungsmöglichkeiten an – zumindest solange, bis der Gesetzgeber weitere steuerliche Einschränkungen beschließt.

Wolf-Dieter Kleinschmidt

Steuerberater und Rechtsbeistand