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19.2.2018

Pressespiegel

Hegemeister IV 2014

Jagdhund und Gewehr: ein Steuer-Sparmodell?

Kleinschmidt im Hegemeister Nr. IV-2014:

Das Bemühen, Aufwendungen möglichst auch steuerlich abziehbar zu gestalten, ist so alt wie die Menschheit. Es ist ein (Grund-) Recht, Steuern zu sparen. Das kann selbstverständlich bei Jägern nicht anders sein. Allerdings wird das Finanzamt immer besonders aufmerksam und streichwütig, wenn die Gefahr einer Liebhaberei bestehen könnte.

Der Nur-Jagdpächter muss Gewinnerzielungsabsicht haben

1.
Die Jagd auf einem angepachteten Jagdrecht ist nur dann steuerlich zu berücksichtigen, wenn sie mit Gewinnerzielungsabsicht ausgeübt wird.
Durch dieses Merkmal (§ 15 Abs. 2 EStG) soll verhindert werden, dass Steuerpflichtige aus privaten Gründen bei einem Hobby dem Anschein nach eine steuerpflichtige Tätigkeit ausüben und dadurch im Verlustfall Steuern sparen (Liebhaberei). Eine Gewinnerzielungsabsicht liegt vor, wenn die ausgeübte Tätigkeit auf die Erzielung eines möglichst günstigen Ergebnisses gerichtet ist. Entscheidend ist, ob im Einzelfall mit einem Totalgewinn bis zur Veräußerung, Aufgabe oder Liquidation des Betriebes gerechnet werden kann. Dazu lassen sich mit Planbilanzen, Finanzplänen oder anderen Prognose-Instrumenten die Totalgewinn-Prognose darstellen.
Es kommt auf die Absicht der Gewinnerzielung an, nicht darauf, ob ein Gewinn tatsächlich erzielt wird.
Klar ist, dass sämtliche Einnahmen und Ausgaben bei dem Finanzamt angegeben werden müssen. Eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung reicht dazu aber aus.
2.
Falls diese Gewinnerzielungsabsicht nicht gegeben ist, wird die Jagdausübung von dem Finanzamt als Liebhaberei eingestuft. Und das bedeutet. Weder Einnahmen noch Ausgaben interessieren das Finanzamt: alles spielt sich in einer außersteuerlichen privaten Sphäre ab.

Der Jäger ist auch Landwirt

Dann stellt die Jagdausübung einen unselbstständigen Teil seines land- oder forstwirtschaftlichen Betriebs dar, wenn die Teile zueinander in einem ausreichenden Zusammenhang stehen.
1.
Das ist selbstverständlich immer dann der Fall, wenn der Landwirt auf seinen selbst bewirtschafteten Flächen über ein Eigenjagdrecht verfügt und dies ausübt.
Der Landwirt kann im Rahmen seiner Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft für alle Aufwendungen den Betriebsausgabenabzug geltend machen. Das gilt insbesondere für die Ausgaben von Jagdschein, Jagdgewehr, Jagdhund einschließlich des Futters und der tierärztlichen Behandlung, Haftpflichtversicherungen, Schutzkleidung und Reviereinrichtungen, Wildfütterung und Wildschadenverhütung.
Selbstverständlich gehören auch die Erlöse aus der Jagd, insbesondere also die Einnahmen aus dem Verkauf von Wildbret oder aus Jagderlaubnisscheinen, zu seinen landwirtschaftlichen Betriebseinnahmen.
2.
Sofern die Eigenjagd angepachtet ist oder der Landwirt die Jagd von einer Jagdgenossenschaft gepachtet hat, ist es nötig, dass die Anpachtung der Jagdrechte zur ordnungsgemäßen Bewirtschaftung des eigenen land- und forstwirtschaftlichen Betriebs erforderlich ist.
Das ist immer dann gegeben, wenn die angepachtete Jagd auf Flächen entfällt, die überwiegend von ihm selbst land- oder forstwirtschaftlich bewirtschaftet werden.
Wenn er nicht nur eine Eigenjagd, sondern auch die dazugehörenden Wiesen, Äcker und Wälder pachtet, ist das unproblematisch.
Pachtet er die Jagd von der Jagdgenossenschaft, muss er prüfen, ob das ganze Gebiet überwiegend von ihm selbst als Eigentums- oder Zupachtflächen bewirtschaftet wird.
Nur wenn der Landwirt unter der Grenze von 50 Prozent bleibt, muss er darstellen, dass die Zupachtung des Jagdrechts erforderlich ist, um eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung zu erreichen, insbesondere weil er sonst seine bestehende Eigenjagd nicht vernünftig ausüben kann.

Hohe Hürden – aber überwindbar

Aufwendungen, die auch einem Hobby zugerechnet werden könnten, führen immer wieder zu Diskussionen mit dem Finanzamt. Wer sich mit Argumenten gut zurüstet, hat große Chancen für einen Erfolg in dieser Auseinandersetzung und erreicht eine Minderung seiner Steuerlast.

Wolf-Dieter Kleinschmidt
Steuerberater und Rechtsbeistand
Goslar/Harz und Bernburg (Saale)