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21.4.2018

Pressespiegel

Hegemeister II 2015

Ehrenamtlich agieren – steuerlich profitieren

Kleinschmidt im Hegemeister Nr. II-2015:

Seit 2013 ist die ehrenamtliche Tätigkeit in Vereinen besonders steuerlich begünstigt. Mit dem „Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements“ wurde eine Ehrenamtspauschale eingeführt. Für die freiwillige Mitarbeit kann deshalb von einem Verein eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 720 € gezahlt werden, ohne dass dafür Sozialabgaben oder Steuern fällig werden.

Allerdings sind einige Voraussetzungen zu beachten:

· Das Ehrenamt muss für einen vom Finanzamt anerkannten gemeinnützigen, kirchlichen oder mildtätigen Zweck ausgeübt werden.

· Es darf nicht hauptberuflich sein. Wichtig ist, dass die ehrenamtliche Tätigkeit zeitlich nicht mehr als ein Drittel eines Vollzeitberufs (also nicht mehr als 13 Stunden in der Woche) in Anspruch nimmt. Auch Hausfrauen, Studenten, Rentner oder Arbeitslose können – obwohl sie nicht hauptberuflich tätig sind - ehrenamtlich hinzuverdienen.

· Pro Person und Jahr können 720 Euro steuer- und sozialabgabenfrei hinzuverdient werden. Sollte mehr gezahlt werden, muss der übersteigende Teil versteuert werden.

· Die Ehrenamtspauschale von 720 Euro ist ein Jahresbetrag. Auch wenn das Ehrenamt im Laufe des Jahres begonnen oder beendet wird, gibt es den vollen Steuerfreibetrag.

Der Freibetrag kann für jede nebenberufliche gemeinnützige Tätigkeit gezahlt werden. Die Auswahl der möglichen ehrenamtlichen Tätigkeiten ist nur beispielhaft: Vereinsvorstand, Referent für Öffentlichkeitsarbeit. Jugendleiter, Bürokraft, Kassierer. Sie ist sicherlich beliebig zu erweitern.

Wer als Betreuer, Ausbilder oder Erzieher nebenberuflich aktiv ist, kann in den Genuss eines Übungsleiterfreibetrags von 2.400 EUR jährlich kommen. Dabei täuscht der Begriff „Übungsleiter“. Der Kreis der Begünstigten beschränkt sich nämlich nicht auf Trainer in Sportvereinen. Alle ehrenamtlichen Tätigkeiten mit pädagogischer Ausrichtung kommen in Betracht. Beispielsweise können auch Betreuer, Erzieher oder Ausbildungsleiter den Übungsleiterfreibetrag in Anspruch nehmen.

Die Ehrenamtspauschale darf aber mit dem Übungsleiterpauschale für dieselbe Tätigkeit nicht kombiniert werden. Sonst müsste der überschießende Betrag (also 720 Euro) versteuert werden.

Allerdings bei der Ausübung von zwei verschiedenen Ämtern im Verein dürfen beide Freibeträge in Anspruch genommen werden. Das ist der Fall, wenn der Verein dem Trainer Schießsport eine Übungsleiterpauschale von 2.400 Euro und für die Arbeit im Vorstand weitere 720 Euro aus der Ehrenamtspauschale zahlt.

Wer die Entschädigung für die Mitarbeit im Verein nicht behalten möchte, kann diesen Betrag als Spende an den Verein zahlen. Der Verein hat damit im Ergebnis keine Ausgaben. Vorteil für den ehrenamtlich Tätigen: Die Spende ist von der Steuer abzusetzen; so lassen sich abhängig vom persönlichen Einkommen und Steuersatz mehrere hundert Euro sparen.

Damit die Regelung der Aufwandsentschädigungen für den Vorstand in einem gemeinnützigen Verein steuerlich anerkannt wird, muss das  in der Vereinssatzung geregelt sein. Nur wenn die Satzung solche Regelungen dem Vorstand zuweist, kann auch dieser zuständig sein.

Tatsächliche Aufwendungen, wie Reisekosten, Kilometergeld, Telefongebühren oder Büromaterial, können immer steuerfrei erstattet werden. Sofern es dazu keine Fremdbelege und –nachweise geben sollte, kann auch ein Eigenbeleg erstellt werden. Typischer Fall ist die Erstattung von mit dem eigenen Fahrzeug gefahrene Kilometer, für die der steuerliche Satz (aktuell: 0,30 € je gefahrenem Kilometer zuzüglich weiterer 0,02 € für Mitfahrer) gilt.

Wolf-Dieter Kleinschmidt
Steuerberater und Rechtsbeistand
Goslar/Harz und Bernburg (Saale)