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19.2.2018

Pressespiegel

Logo der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig
Präsentierte zahlreiche Vorschläge des Finanzkonzeptes: Wolf-Dieter Kleinschmidt.
Foto von Wolf-Dieter Kleinschmidt

Berichterstattung der Landeskirche über das neue Finanzkonzept

Landessynode legt Prioritäten fest und kürzt Mittel von rund 3,5 Millionen Euro

Goslar/Braunschweig. Die braunschweigische Landessynode hat ein umfangreiches Profil- und Finanzkonzept beschlossen, um das strukturelle Defizit der Landeskirche abzubauen. Nach einer intensiven und kontroversen Debatte einigte sich das Kirchenparlament am Samstag, 20. November, in Goslar auf zwei Prioritäten: Am wichtigsten sei die Arbeit in den Gemeinden, heißt es. Deshalb wolle die Kirche in der Fläche präsent bleiben, was allerdings allein mit Pfarrerinnen und Pfarrern nicht mehr möglich sei. Daraus folge als zweite Priorität die Entwicklung eines theologischen Zentrums, um Gemeinden sowie ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus- und fortzubilden. Außerdem brauche die Kirche einen Ort, um ihre Themen in die Region einsprechen zu können.

Vor diesem Hintergrund wurde das Landeskirchenamt beauftragt, ein neues Finanzausgleichssystem auszuarbeiten. Es soll die Verteilung der Einnahmen zwischen Gemeinden, Propsteien, Kirchenverbänden und der Landeskirche neu regeln, so dass die Kirche nicht mehr Geld ausgibt als sie einnimmt. Außerdem müsse das neue System einfacher und transparenter werden als das bisher geltende.

Zudem wurde beschlossen, die Zusammenlegung von Gemeinden durch einen „Fusionsfonds" zu fördern. Er soll für eine befristete Zeit mögliche finanzielle Nachteile ausgleichen, die Gemeinden durch eine Fusion erleiden. Durch externe Unterstützung sollen darüber hinaus die Verwaltungs- und Entscheidungsstrukturen in der Landeskirche überprüft werden. Ziel ist es, den Personalbestand im Landeskirchenamt und in den Verwaltungsstellen sozialverträglich möglichst um 20 Prozent zu reduzieren.

Die Zahl der Gemeindepfarrstellen soll bis zum Jahr 2020 um rund 50 Stellen auf 170 sinken. Ein jährlicher Einstellungskorridor regelt die Aufnahme von Probedienstlern; das Vikariat wird für Bewerberinnen und Bewerber anderer Landeskirchen geöffnet. Damit will die Landeskirche einem ab 2020 drohenden Pfarrermangel entgegenwirken. Gleichzeitig wird die Zahl der allgemeinkirchlichen Pfarrstellen reduziert. Dafür wurde ein Schlüssel von etwa sechs zu eins definiert (im Verhältnis zu den Gemeindepfarrstellen). Gleiches gilt für die Zahl der Diakoninnen und Diakone: Ihre Zahl soll von 57 auf 33 im Jahr 2020 sinken. Auch im Bereich der Kirchenmusik sollen fünf Stellen gestrichen werden.

Der Zuschuss der Landeskirche zum Diakonischen Werk wird in den kommenden beiden Jahren um etwa die Hälfte gekürzt, so dass er ab 2014 zwei Prozent der bereinigten Kirchensteuereinnahmen ausmachen soll, maximal aber eine Million Euro im Jahr. Mit dem Zuschuss soll vor allem die diakonische Arbeit in den Kreisstellen finanziert werden. Oberlandeskirchenrat Peter Kollmar wies indessen darauf hin, dass die Landeskirche für die konkrete diakonische Arbeit unabhängig von dem zentralen Zuschuss weitere rund 450.000 Euro jährlich bereitstellt.

Das theologische Zentrum wird an seinem bisherigen Standort fortentwickelt. Gleichzeitig soll ein neues Bildungskonzept klären, ob und in wie weit der Arbeitsbereich Religionspädagogik, das Pastoralkolleg und die Fachberatung Kindertagesstätten in ein theologisches Zentrum eingegliedert werden.

Überprüft werden soll darüber hinaus, in wie weit es sinnvoll ist, die beiden Familienbildungsstätten in Salzgitter-Lebenstedt und Wolfenbüttel zusammenzuführen. Zwar unterstrich die Landessynode, dass ihr die Arbeit mit Kindern in Kindertagesstätten und Kindergärten besonders am Herzen liege, angesichts des Konsolidierungsdrucks beschloss sie allerdings, den Zuschuss in 2012 und 2013 jeweils um 3,5 Prozent zu kürzen.

Die Frauenhilfe Landesverband Braunschweig soll 2012 und 2013 letztmalig mit einem Betrag von 330.000 beziehungsweise 160.000 Euro bezuschusst werden. Statt der bisherigen Pfarrstelle beim Landesverband der Frauenhilfe soll analog zur Männerarbeit eine allgemeinkirchliche Stelle für Frauenarbeit entstehen. Außerdem ist ein Fonds für deren Projekte in Höhe von 40.000 Euro geplant.

Auch im Baubereich wurden Einsparungen beschlossen: So soll es zukünftig möglichst keine kirchlichen Neubauten mehr geben. Auch eine Mittelzuführung in die Baupflegestiftung soll unterbleiben. Außerdem wurde das Landeskirchenamt gebeten, ein Konzept zu entwickeln in wie weit Bauaufgaben künftig stärker auf die Kirchengemeinden übertragen werden können, so dass sich das Landeskirchenamt auf die Sakralbauten konzentrieren kann.

Wie der Leiter der Finanzabteilung, Oberlandeskirchenrat Dr. Jörg Mayer, deutlich machte, könnten durch die beschlossenen Maßnahmen etwa 3,5 Millionen Euro eingespart werden. Gleichwohl sei das Ziel damit noch nicht erreicht. Im November 2011 sei ein neuer Doppelhaushalt für die Jahre 2012 und 2013 zu verabschieden, der insgesamt rund sieben Millionen Euro einsparen müsse, denn das strukturelle Defizit der Landeskirche betrage etwa 3,5 Millionen Euro pro Jahr. Ausschlaggebend dafür seien sinkende Mitgliederzahlen, rückläufige Kirchensteuereinnahmen, der Abbau von Rücklagen sowie anwachsende Kosten.

Ein Hearing am 18. Januar auf dem Kirchencampus in Wolfenbüttel soll den von den Kürzungen Betroffenen die Möglichkeit geben, zu den geplanten Maßnahmen Stellung zu beziehen. Wie Synodenpräsident Gerhard Eckels betonte, gebe es dadurch noch die Möglichkeit, Sachverhalte zu bedenken, die bislang eventuell noch nicht ausreichend im Blick waren.

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